3.3 Millionen Downloads. 2.1 Millionen Dollar Umsatz. Eingestellt.
Am 24. März 2026 hat OpenAI seinen Video-Generator Sora abgeschaltet. Fünf Monate nach dem Launch von Sora 2. Zwei Wochen nachdem die Integration in ChatGPT angekündigt wurde. Einen Tag nachdem ein Team noch aktiv mit Disney an einem gemeinsamen Projekt arbeitete.
Die Zahlen erzählen die Geschichte: Sora startete im November 2025 mit 3.3 Millionen Downloads. Bis Februar 2026 waren es nur noch 1.1 Millionen. Die In-App-Käufe brachten gerade einmal 2.1 Millionen Dollar ein. Für ein Produkt, das laut Reuters intern so viele Ressourcen verschlang, dass andere Teams unterversorgt waren, war das zu wenig.
Der Disney-Deal, der nie war
Der grösste Kollateralschaden: Eine Milliarde Dollar. So viel wollte Disney in OpenAI investieren. Im Dezember 2025 hatten die beiden Unternehmen einen Dreijahresvertrag geschlossen. Über 200 Charaktere von Disney, Marvel, Pixar und Star Wars sollten in Sora verfügbar werden. Fans hätten kurze Videos mit ihren Lieblingsfiguren erstellen können.
Jetzt ist der Deal tot. Kein Geld floss je. “The deal is not moving forward”, bestätigte ein Disney-Insider gegenüber Deadline. Die Partner erfuhren vom Ende wenige Minuten, nachdem das letzte gemeinsame Meeting endete.
Warum OpenAI diesen Schritt geht
OpenAI will an die Börse. Bis Ende 2026. Dafür braucht das Unternehmen ein klares, profitables Kerngeschäft. Sora war das Gegenteil: teuer, ressourcenintensiv, mit sinkendem Nutzerinteresse.
Gleichzeitig spürt OpenAI den Druck. Anthropic und Google holen auf. Claude hat in vielen Benchmarks die Nase vorn. Googles Gemini wächst. Statt auf mehreren Fronten zu kämpfen, konsolidiert Sam Altman: Eine “Super-App” für den Desktop soll ChatGPT, den Atlas-Browser und die Coding-Plattform Codex vereinen.
Das Sora-Team? Wird auf Robotik umgeschult. Video-Generierung ist für OpenAI Geschichte.
Video-KI ist lebendiger denn je — nur OpenAI ist raus
Wer jetzt denkt, Video-KI sei gescheitert, liegt falsch. Im Gegenteil: Der Markt boomt. OpenAI ist der Einzige, der aufgibt.
Kling vom chinesischen Tech-Konzern Kuaishou hat 12 Millionen aktive Nutzer und generiert 240 Millionen Dollar Jahresumsatz. Zum Preis von 0.029 Dollar pro Sekunde produziert es Videos in 4K-Qualität bis zu zwei Minuten Länge. Hailuo von MiniMax erreicht über 200 Millionen Nutzer weltweit. Das Unternehmen ging im März 2026 in Hongkong an die Börse — mit einer Bewertung von 9.3 Milliarden Dollar.
Dazu kommen Runway Gen-4.5 (Hollywoods Favorit für cineastische Qualität), Pika 2.5 (schnell und günstig für Social Media) und Googles Veo 3.1 (native 4K mit der besten Audio-Integration). Die durchschnittlichen Kosten pro Minute Video sind seit 2024 um 65 Prozent gesunken.
Sora ist nicht an der Technologie gescheitert, sondern am Geschäftsmodell. 2.1 Millionen Dollar Umsatz reichen nicht, wenn die Infrastruktur ein Vielfaches verschlingt. Die Konkurrenz hat das besser gelöst: Kling und Hailuo sind profitabel, weil sie von Anfang an auf Skalierung und faire Preise gesetzt haben.
Was das für Schweizer KMU bedeutet
Wenn Sie als Unternehmen auf KI-Tools setzen, ist Soras Ende eine wichtige Lektion. Drei Punkte, die Sie mitnehmen sollten:
1. Kein Tool ist zu gross zum Scheitern
Sora kam von OpenAI. Hatte einen Disney-Deal. Millionen Nutzer. Und wurde trotzdem eingestellt. Wer seine Content-Strategie auf ein einzelnes KI-Tool aufbaut, riskiert, dass der Boden wegbricht.
2. Diversifizieren Sie Ihre KI-Werkzeuge
Nutzen Sie nicht eine Plattform für alles. Kombinieren Sie spezialisierte Tools. Für Video-Generierung gibt es heute mehr Optionen denn je: Kling für kosteneffiziente Produktion, Runway für cineastische Qualität, Pika für schnelle Social-Media-Clips. Für andere KI-Aufgaben existiert ein breites Ökosystem, das unabhängig von einzelnen Anbietern funktioniert.
3. Eigene Kompetenz aufbauen statt nur konsumieren
Der grösste Schutz gegen plötzliche Tool-Abschaltungen: Verstehen, was KI kann und wie sie funktioniert. Wer die Prinzipien kennt, wechselt das Werkzeug. Wer nur das Werkzeug kennt, steht ohne da. Ein KI-Workshop kann hier den Unterschied machen.
Was kommt als Nächstes
Der Video-KI-Markt wächst laut Prognosen von 717 Millionen Dollar (2025) auf 2.56 Milliarden Dollar bis 2032. Die Kosten fallen, die Qualität steigt. Was gestern ein 10-Sekunden-Clip mit Artefakten war, ist heute ein 2-Minuten-Video in 4K mit synchronisiertem Audio.
OpenAIs Ausstieg zeigt: Der Markt belohnt nicht den grössten Namen, sondern das beste Geschäftsmodell. Kling und Hailuo haben das verstanden. Sora nicht.
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Quellen: Sora Official auf X, Heise Online, CNBC, Variety, Deadline, South China Morning Post, Fintool News